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Plastikmüll in Flüssen

erstellt von Dirk Fleischer zuletzt verändert: 22.05.2014 21:54

Warum erscheint bei TaMOs einem Projekt mit maritimer Ausrichtung etwas zu Plastikmüll in Flüssen? Das ist eine gute Frage, aber eine einfache Antwort ist auch schnell gefunden: "Die meisten Flüsse fließen ins Meer und dort landet alles was sie auf ihrem Weg einsammeln!" Aaron Lechner aus der Abteilung für Limnologie und Ozeanographie der Wiener Universität und seine Coautoren haben jetzt in der 'Environmental Pollution' eine Studie zum Thema Plastikmüll in der Donau veröffentlicht. Diese Veröffentlichung hat also auch für die Meere Relevanz und wir wollen unsere Mitglieder darüber informieren.

Plastikmüll in Flüssen

Plastikmüll angespült am Strand. Dieser Plastikmüll macht allerdings nur den kleineren 'offensichtlichen' Anteil aus. (Bild: VBerger@Wikipedia)

Plastikmüll in Flüssen

Nach wissenschaftlichem Vorbild halten wir uns erstmal an das original und das ist der Artikel von Lehner et al. 2014 in Environmental Pollution. Dieser Artikel mit dem Titel: "The Danube so colourful: A potpourri of plastic litter outnumbers fish larvae in Europe's second largest river" ist öffentlich zugänglich, also im sogenannten "Open Access" Verfahren veröffentlicht worden und jeder kann ihn lesen. Es handelt sich dabei um die Ergebnisse einer zweijährigen Studie zum Plastikmüll in der Donau, dem zweitgrößten Fluss Europas. Die tägliche Plastikmüllfracht der Donau in das Schwarze Meer wird hierbei mit ca. 4,2 t pro Tag berechnet.

Bevor ich jetzt weiter schreibe vielleicht ein kurzer Exkurs: Warum ist Plastikmüll im Wasser etwas schlimmes? Okay, Plastikmüll gehört nicht in die Umwelt, aber neben dieser Weisheit für unsere Kinder gibt es auch noch weitaus handfestere Gründe warum die Forschung sich schon seit einiger Zeit mit diesem Thema im Meer beschäftigt. Bisher waren Flüsse hierbei eher stiefmütterlich Untersucht worden. Aber ich schweife ab, also die Plastikfragmente, die durch UV-Strahlung spröde und brüchig geworden sind werden nun in einem Fluss ständig hin und her bewegt und langsam immer weiter zerkleinert. Letztendlich bleibt sogenannter Mikromüll übrig. Während allerdings eine 5 Quadratmeter große Plastikfolie eine einfach zu beseitigende Umweltverschmutzung, so sind die tausenden Partikel der Kleingemahlenen Folie nicht mehr so einfach zu beseitigen und diese Partikel werden aufgrund ihrer Größe und Farbe auch von Fischen als Futter gefressen.

Diese Plastikteile finden sich dann in den Mägen von Fischen wieder und beginnen so ihren Weg durch die Nahrungsnetze (veröffentlicht durch Carpenter et al. 1972 vom Woods Hole Oceanographic Institute), an deren Spitze ja bekanntlich der Mensch steht.

Aber nun genug und zurück zum Artikel Lechner et al. 2014 in dessen Einleitung die grundlegende Steigerung der Nutzung von Plastik in der Industrialisierung geschildert wird. Allerdings liegt der wirklich Fokus einer solchen Studie natürlich nicht im Plastikmüll, sondern natürlich im Verhältnis zu den normaler Weise in einem Fluss vorkommenden Inhalten. Solche Inhalte sind z. B. Fische und ihre Larven, die im Fluss leben und sich entwickeln sollen und wollen. Am Anfang einer solchen Studie stehen also die quantitativen Fänge der Untersuchungsobjekte. Lechner et al haben hierfür feinmaschige Netze in der Strömung aufgestellt. Die Netze wurden regelmäßig geleert und der Inhalt im Labor analysiert. Hierfür wurden die Fischlarven und die Plastikpartikel voneinander separiert. Ein Bild der unterschiedlichen Plastikteile ist im Artikel abgedruckt.

In beiden Untersuchungsjahren 2010 und 2012 wurden 951 Fänge ausgewertet mit insgesamt 24049 Fischlarven und 17349 Plastikstückchen. Jetzt könnte man natürlich denken: "Na wenigstens sind da mehr Larven als Plastik!". Das ist allerdings nicht mehr so, wenn man die Masse der Larven mit der des Plastiks vergleicht. Das Gewicht des Plastiks lag im Mittel etwa 50% über der Biomasse der Fischlarven und das ist die wichtigere Zahl.

Viele der Plastikpartikel konnten als industrielles Rohplastik identifiziert werden. Auf der Donau wird viel dieses Rohmaterials für die an der Donau liegenden Plastikverarbeitenden Firmen transportiert. Die Ursachensuche sollte sich also nicht schwierig gestallten. Grundlegend ist das Ergebnis wohl für niemanden überraschend, aber ich finde die absoluten Zahlen zu sehen macht es dann doch greifbarer.

Wir hoffen euch gefallen Zusammenfassungen von wissenschaftlichen Fachpublikationen mit Bezug zum Meer und Monitoring, denn wir haben vor interessante Publikationen auch in Zukunft aufzugreifen und für Euch kondensiert zusammenzufassen. Ihr seit dennoch aufgefordert Euch eine eigene Meinung zu bilden und die Artikel ggf. selber zu lesen.  

Euer TaMOs Team 

 

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