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Erfahrungsbericht von Seminarteilnehmern

erstellt von Dirk Fleischer zuletzt verändert: 28.04.2008 13:35

Wir sind sehr froh, dass zwei unserer Seminarteilnehmer einmal zusammengestellt haben, wie sie das TaMOs-Seminar erlebt haben. Eine Darstellung der Seminarinhalte aus Sicht der Teilnehmer ist bestimmt nicht nur für uns Referenten interessant.

Erfahrungsbericht von Seminarteilnehmern

Erfahrungsbericht unseres TaMOs-Seminars am 15./16. März 2008

Was sieht man denn schon in der Ostsee? Gegen diesen Satz haben wir uns als passionierte Ostseetaucher schon immer gewehrt. Aber was wir da wirklich alles vor der Maske haben, wurde uns erst beim TaMOs-Seminar so richtig klar. Samstag und Sonntag waren je vier Stunden „Unterricht“ veranschlagt. So blieb einerseits genug Zeit für alle Fragen, andererseits war man nicht das ganze Wochenende verplant.

Tag 1

Um 10 Uhr trafen wir uns in kleiner Runde im Seminarraum des Leibniz-Institutes für Meereswissenschaften in Kiel. Referent Dirk Fleischer hatte die Präsentation und das nötige Anschaungsmaterial schon vorbereitet und bot zu dieser morgendlichen Stunde erstmal einen Kaffee an. Nach der Begrüßung stellte Dirk zunächst das TaMOs-Projekt und dessen Ziele ausführlich vor. Einige hatten TaMOs schon auf der Landesausbildertagung des TLV-SH kennen gelernt, wir selbst waren im Vorfeld schon als Versuchskaninchen in einer Testgruppe des Projekts involviert. Mit der interessanten Entstehungsgeschichte des Tauchermonitorings wurde der erste Seminartag eröffnet. Die Initiatoren Dirk Fleischer und Matthias Schaber haben viel Überzeugungsarbeit beim Landesamt für Natur und Umwelt und bei Naturschutzverbänden dafür geleisten, dass Laien zur Umweltdokumentation beitragen können, dürfen und sollten. Dabei gibt es seit Jahren Vorbildprojekte wie ANEMOON in den Niederlanden und Marlin in England, die mit der Hilfe von Sporttauchern gute Ergebnisse vorweisen. Sollten wir also schlechtere „Forscher“ sein als unsere europäischen Kollegen? Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, erklärte Dirk genau das Vorgehen und die Zielsetzung bei den TaMOs-Tauchgängen. Ausreichende taucherische Fähigkeiten wie eine sichere Tarierung sind Eingangsvoraussetzung, auch mit dem Kompass und der doch recht großen Schreibtafel unter Wasser muss man klar kommen können. Dass alle Seminarteilnehmer außerdem meeresbiologisches Interesse mitbrachten, lag natürlich nahe.

Als Dirk die eng bedruckten, DIN A4-großen Schreibtafeln verteilte, kamen bei einigen doch Zweifel auf, ob man die große Menge an Pflanzen- und Tiernamen bewältigen könne. Aber in der folgenden Präsentation ging Dirk systematisch und detailliert auf alle Datenbereiche ein: Zonierung nach Sedimenten, anaerobe Zonen, Pflanzen und schließlich verschiedene Tierklassen wurden mit Fotos und vielen Charakteristika besprochen. Dabei war stets Zeit für Zwischen- und Verständnisfragen. Schnell merkte man, dass man den Großteil der Lebewesen schon gut kennt und bei vielen Tauchgängen gesehen hat. Trotzdem gab es immer wieder Aha-Momente, wenn man bisher Unbekanntes identifizieren konnte oder feststellte, dass Entenmuscheln gar nichts mit den allgegenwärtigen Schalenträgern zu tun haben. Denn es gilt frei nach Antoine de Saint-Exupéry: Der Taucher sieht unter Wasser meist nur, was er kennen gelernt hat! Das Erkennen wurde auch von vielen teils von Dirk selbst gesammelten, teils in Formalin konservierten Proben unterstützt. Fasziniert begutachteten wir urzeitlich anmutende Asseln, alienähnliche Borstenwürmer oder das Gelege einer Wellhornschnecke. Eine umfangreiche Datenbank zum Nachschlagen mit Bildern wird demnächst auch auf der TaMOs-Webseite zugänglich sein, so dass man bei Unsicherheiten jederzeit nachsehen kann, was man im trüben Ostseewasser vor der Nase hatte.

Damit unsere Köpfe vor Makrophyten und Crustaceaen nicht rauchten, lockerte Dirk den Vortrag durch praktische Anleitungen auf und erläuterte die Durchführung der Monitoring-Tauchgänge genau. Beim Tauchen muss man einem bestimmten Protokoll folgen, damit die Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet bleibt. Aber nur bis die maximale Tiefe erreicht wird – danach kann man den Tauchgang als Fun-Tauchgang fortsetzen, wie man möchte! Niemand muss also auf seinen Wochenend-Tauchspaß verzichten.

Tag 2

Am folgenden Sonntag ging es in lockerer Runde bei Kaffee und Keksen mit der Vorstellung der restlichen Tierarten weiter. Besonders die Fische sorgten für jede Menge Diskussionsstoff, war für manchen bisher jeder Plattfisch einfach nur ein „Butt“. Zugegebenermaßen scheinen sich einige kaum zu unterscheiden, doch auch hier hob Dirk die wichtigsten Erkennungsmerkmale deutlich hervor. An den vielen Fragen war zu merken, dass die Neugier auf die verschiedenen Tiere und Pflanzen wuchs und wir anfingen, auch bisher nicht beachtete oder unbekannte Lebewesen unter Wasser zu hinterfragen. Dirk bot dabei stets Hilfe an, z.B. kann man den beteiligten Biologen Fotos der Tiere schicken, die man selbst nicht identifizieren kann. Dies ist im Rahmen von TaMOs durchaus erwünscht, denn nicht wenige Taucher haben heutzutage ihre Kamera dabei. Schließlich gibt es ja immer noch die Möglichkeit, einmal selbst als erster einen neu eingewanderten Neophyten zu entdecken! Dass dies gar nicht so unwahrscheinlich ist, zeigte im vorletzten Sommer die nordamerikanische Rippenqualle Mnemiopsis leidyi, die sich in der Ostsee stark ausbreitet. Auch eine asiatische Rotalge (Gracilaria vermiculophylla) zeigt sich erst seit 2005 in der Kieler Förde und konnte in ihrer Ausbreitung von der Tirpitzmole, wo sie wahrscheinlich von einem Schiff der Marine eingeschleppt wurde, bis nach Strande und die Hohwachter Bucht verfolgt werden. Auch solche Zusammenhänge versucht das TaMOs-Projekt mit unserer Hilfe aufzudecken.

Neben der Artenvielfalt der Ostsee lernten wir auf dem Seminar nebenbei natürlich auch andere Kieler Taucher  kennen. Alle beschlossen, Monitoring-Tauchgänge in Angriff zu nehmen und das Projekt in ihren Vereinen bekannt zu machen. Die TaMOs-Teilnahme bringt wirklich jede Menge Kenntnisse und eine interessante Laienforschungstätigkeit für alle Biologieinteressierten. Noch dazu war das Seminar völlig kostenlos, was auch in Zukunft so bleiben wird. Dass die Initiatoren Dirk Fleischer und Matthias Schaber ehrenamtlich regelmäßig ihre Wochenenden opfern, um uns die Ostsee näher zu bringen, zeigt, mit welchem Engagement sie hinter dem Projekt stehen. Es hat wirklich Spaß gemacht. Schade, dass dieses Wochenende so stürmisch und die Sicht mies war, sonst hätten wir unsere neuen Tafeln sofort bei einem Tauchgang ausprobiert!

M. Musinszki
H. Schweer

 

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