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Ärger im Revier

erstellt von Matthias Schaber zuletzt verändert: 14.09.2010 11:12

Mit etwas Glück kann man derzeit in den flacheren Bereichen der Ostseeküste interessante Verhaltensweisen bei Sand- und Strandgrundeln beobachten.

Ärger im Revier

Kämpfende Grundelmännchen (Pomatoschistus sp). Man beachte das intensive Laichkleid der Kontrahenten. (Foto: Matthias Schaber).

Ärger im Revier

Aufgrund ihrer Häufigkeit sind die Tiere (Pomatoschistus minutus und P. microps - Unterscheidung ist mit bloßem Auge beim Tauchen quasi unmöglich), vor allem über sandigem Substrat, wohl eher nicht zu übersehen. Während der Laichzeit, die über eine ausgedehnte Periode von März bis September reicht, kommt es allerdings zu faszinierend zu beobachtenden „Verhaltensauffälligkeiten“ der männlichen Tiere. Diese bilden während dieser Zeit Reviere aus. Hierfür wird jeweils eine leere Muschelschale (in der Ostsee meistens Sandklaffmuscheln, Mya sp.) umgedreht, so dass die Schalenaußenseite oben liegt. Der so geschaffene Hohlraum wird dann vom Männchen mit dem Maul vergrößert, so dass eine Art Höhle entsteht. Anschließend werden die Muschelränder um den Höhleneingang unter Zuhilfenahme der Schwanz- und Brustflossen mit Sand bedeckt. Nach Fertigstellung des Nests werden die umgebenden 20 bis 30 cm als eigenes Territorium angesehen und vehement gegen andere Männchen verteidigt. Die Männchen, die zur Laichzeit durch besonders intensive Färbung auffallen, locken dann durch eine Art Balztanz paarungswillige Weibchen in die Höhle. Diese kleben dort mehrere birnenförmige Eier an die „Decke“ der Höhle, wo sie nach der Paarung vom Männchen bewacht und regelmäßig durch Fächern der Brustflossen mit sauerstoffreichem Wasser versorgt werden. Die Männchen akzeptieren durchaus mehrere Gelege von verschiedenen Weibchen in ihrer Höhle. Während der Laichzeit der Sand- und Strandgrundeln kann man beim Tauchen sehr häufig derartige Muschelhöhlen sehen, aus denen das bewachende Männchen den Taucher überaus aufmerksam und kritisch beäugt.

Die Revierkämpfe der Männchen sind mit viel Glück und etwas Aufmerksamkeit ebenfalls zu beobachten. Das Laichkleid der Männchen ist durch eine deutlich intensivere Pigmentierung gekennzeichnet sowie durch auffällige dunkelgraue Querstreifen auf dem Körper. Sehr auffällig ist eine blaugrüner, dunkler Punkt auf der ersten Rückenflosse und eine schwarze Umrandung der länglichen Analflosse. Während der Revierkämpfe umkreisen sich die Rivalen und präsentieren dem Gegner die Körperseiten mit aufgerichteten Flossen. Gleichzeitig wird das Maul weit aufgerissen. Dieses Schauspiel kann sich über längere Zeit hinziehen, immer wieder unterbrochen durch kurze, intensive „Rangeleien“.

Man sieht: Auch scheinbar eher unauffällige, kleine Fische wie Sand- und Strandgrundeln offenbaren bei aufmerksamer Betrachtung hochinteressante und spannende Eigenschaften und Verhaltensweisen! Hinschauen lohnt sich! Und bitte keine leeren, von Grundeln bewachten Muschelschalen umdrehen. Die Männchen und deren Nachwuchs werden es Euch danken…

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