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TaMOs, wie alles begann

by Dirk Fleischer last modified Mär 19, 2008 01:20

Allgemeine Schilderung über die Anfänge des TaMOs-Projektes. Dabei werden andere Projekte aus Holland und England vorgestellt und die verschiedenen Möglichkeiten eines solchen Projektes aufgezeigt.

Eine Idee entwickelt sich

Die Idee für ein solches Projekt ist nicht neu und wurde auch bereits in anderen europäischen Ländern erfolgreich umgesetzt. Für uns stellte sich immer die Frage, warum es ein solches Projekt in Deutschland nicht gab - aber wie so häufig ist die Idee nicht alles.

Wir haben 2005 Kollegen aus den Niederlanden und England getroffen, die gerade an solchen Projekten schon langfristig mitgewirkt haben oder sie sogar gegründet haben. In den Niederlanden ist 1994 das 'Anemoon' Projekt angelaufen. Den Anfang machten hier die Taucher, und jetzt nach so vielen Jahren sind dort über 300 Teilnehmer das ganze Jahr über bereit, einen Tauchgang an insgesamt über 100 dokumentierten Tauchplätzen nachträglich zu protokollieren. Inzwischen hat sich das Projekt stark vergrößert - jetzt werden auch Beobachtungen von Strandspaziergängern, wie Muschel-, Pflanzen- und Totfunde aufgenommen und zusätzlich dazu hat sich eine Art Besiedlungsexperiment entwickelt. Freiwillige haben standardisierte Besiedlungsplatten an geschützten Stellen ins Meer gehängt und protokollieren in regelmäßigen Abständen, welche Tiere und Pflanzen auf den Platten zu finden sind.

In einer ähnlichen Weise hat es in England begonnen. Das 'Marine Life Information Network' (MarLIN) wurde 1995 gegründet. Dabei wurde ein kombinierter Ansatz verfolgt: Wissenschaftler und Laienbeobachter konnten gleichermaßen ihre Naturbeobachtungen in diesem System einstellen. Auf diese Weise hat sich inzwischen eine große Gemeinschaft gebildet, die jetzt auch für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt wird. Die ausgemusterte Fregatte 'HMS Scylla' der britischen Marine wurde vor der Küste Cornwalls in der Whitsand Bay als künstliches Riff in zusammenarbeit mit dem 'National Marine Aquarium' versenkt. Jetzt sind Freiwillige, die an diesem 113m langen Schiff tauchen gehen, angehalten alle Arten zu protokollieren, die sie während des Tauchgangs gesehen haben. Diese Protokolle sollen helfen, die Besiedlungsgeschwindigkeit zu bestimmen. Hier tragen die freiwilligen Taucher mit ihren Berichten zur wissenschaftlichen Arbeit bei und sorgen für eine kontinuierliche Protokollierung der verschiedenen Besiedlungsphasen.

Diese Erfolgsstories haben uns gezeigt, dass solche Plattformen angenommen werden und sich auch dauerhaft etablieren können. Allerdings hat es noch etwa 2 Jahre gedauert, bis wir ein vollständiges Konzept zusammengestellt hatten. Aufgrund unserer Arbeit im Rahmen der Meeresbiologie kamen wir immer wieder mit Tauchern zusammen, die Neugierig nachfragten, ob sich die Bedingungen in der Ostsee verbessert oder verschlechtert hatten, weil sie dies oder jenes gesehen hatten. Auf solche Fragen kann man nicht wirklich mit einer kurzen Antwort reagieren, aber uns fiel auf, dass manche der berichteten Phänomene sehr interessant waren und auch für Wissenschaftler hilfreich sein könnten (Zum Beispiel wurde von einem Meerneunauge (Petromyzon marinus) in der Eckernförder Bucht berichtet - Meerneunaugen gelten in der Ostsee als stark gefärdet, Nachweise liegen seit einigen Jahren nicht mehr vor).

Mit solchen Berichten im Hintergrund haben wir nach Rücksprache mit dem Vorstand innerhalb des Tauchsportlandsverbandes Schleswig-Holstein die Planung für ein solches Projekt begonnen. Auch von anderer Seite wurde nach kurzer Zeit bereits Interesse an einem solchen Projekt bekundet und auch Unterstützung gewährt. Auf diese Weise hat sich das Projekt erstmal entwickelt und wird jetzt in Kürze mit den Schulungen zur Tierartenbestimmung während des Tauchens beginnen. Wir bauen auf freiwillige Taucher, die Interesse an der Tier- und Pflanzenwelt der Ostsee haben und hierfür auch etwas Aufwand nicht scheuen. Dieser Aufwand wird sich bestimmt lohnen und anderen die Vielseitigkeit des Lebensraums Ostsee näher bringen.

 

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