Geschichte der marinen Benthosökologie
Schon in der Mitte des 19. Jhrdts. sammelten und katalogisierten Naturforscher, was der Boden der Ostsee an lebender Fauna und Flora zu bieten hatte. Auf dieser Suche nach Naturerkenntnis waren es vor allem Kieler Forscher, wie z.B. Karl Möbius (1825-1908), der in der Ostsee, wie auch später in der Nordsee sich bemühte, Tiere des Meeresbodens zu sammeln und als Gemeinschaft darzustellen. Ihr Forschungsgegenstand war das Benthos, d.h. nach neuer Definition "die Lebensgemeinschaften am/im und auf dem Boden von Gewässern", zu denen wir aus ökologischen Gründen neben den bodenlebenden Wirbellosen wie z.B. Muscheln, Schnecken, Crustaceen, Polychaeten auch die demersalen Fische (Kleinfische wie z.B. Grundeln, Plattfische und Dorschartige) sowie die benthischen Mikroorganismen (vor allem Bakterien und Pilze) zählen. Es war Karl Möbius, der, mit dem Ziel, die wirtschaftlich nutzbaren "fiskalischen Austernbänke" im Nordfriesischen Wattenmeer Politikern verständlich zu machen, den Begriff der "Lebensgemeinde" prägte, der sich heutzutage allgemein als "Lebensgemeinschaft" (Biozönose) eingebürgert hat (Möbius 1877). So wurde aus der Not heraus, fachfremden Entscheidungsträgern biologische Zusammenhänge zu erläutern, die Grundlage für eine moderne Benthosökologie gelegt. Der Begriff "Ökologie" wurde unabhängig davon bereits 1866 von Ernst Haeckel geprägt. Wir unterscheiden zwischen Zoobenthos (Wirbellose, Wirbeltiere) und Phytobenthos (Algen, Seegräse). Als Phytal bezeichnen wir den Bereich des Benthals, der vom Phytobenthos besiedelt wird, d.h. wo genügend Licht für die Photosynthese zur Verfügung steht. Das Phytal ist daher in unseren Gewässern auf die oberen 15-20 m beschränkt, während es für das Zoobenthos eine solche Beschränkung nicht gibt. Hier sind andere Faktoren, wie z.B. das Vorhandensein von Sauerstoff, die entscheidende Lebensgrundlage.
Das Benthos bewohnt den Meeresboden vom Strandbereich bis in die größten Tiefen der Gewässer, wobei die Meeresalgen und Seegräser aus physiologischen Gründen auf den lichtdurchfluteten Bereich, die euphotische Zone, beschränkt sind. Das Zoobenthos besiedelt alle vorkommenden Substrate vom weichen Schlick über sandige Böden bis zu Hartsubstraten wie Muschelschalen, Schneckengehäusen, Steinen aller Größen, Felsen und menschliche Konstruktionen wie Hafenpiers, Pfeiler, Spundwände, Schiffsrümpfe und Bohrplattformen. Wir bezeichnen letztere als sekundäre Hartböden. Die Untersuchung der Fauna des Meeresbodens ist ein besonders verläßliches Mittel zur Bestimmung der Umweltqualität, weil das zumeist ortsfeste Benthos Veränderungen der Meeresumwelt über die Zeit integriert und auch dann Effekte zeigt, wenn man die eigentlichen Ursachen nicht direkt messen konnte.
Wie man versucht hat, natürliche Lebensgemeinschaften zu finden, war man auch bemüht, die gefundene Fauna nach Größen zu klassifizieren. Die heute gebräuchlichen Einteilungen beruhen mehr auf methodischen Gegebenheiten zur Gewinnung bzw. Extraktion der Fauna denn auf natürlichen Gruppen, und so unterteilen wir das Weichboden-Zoobenthos gewöhnlich in die:
- Makrofauna, als den Teil der Fauna, der auf einem Sieb mit 1 mm Maschenweite liegen bleibt (zuweilen auch 0.5 mm Sieb, je nach Untersuchungsziel)
- Meiofauna, als den Teil der Benthosfauna, der ein 1 mm Sieb passiert, aber von einem 40 µm Sieb zurückgehalten wird, lebt meist im Sandlückensystem
- Mikrofauna, als den Teil der Fauna, der nur mit besonderen Extraktionsverfahren gewonnen werden kann, weil er sehr schnell abstirbt und keine sichtbaren Reste zurückläßt (Ciliaten etc.)
Diese Einteilungen ist eher als Arbeitsbegriffe zu verstehen denn als enge Definition und insbesondere solche Gruppen nicht übersehen, die nicht in die klassischen Einteilungen passen (große Meiofauna, Jugendstadien der Makrofauna, sessile Epifauna, Schwämme, Parasiten u.a.m.)




