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Platt wie eine Flunder... Und eigentlich gar nicht so schwer zu bestimmen!

erstellt von Matthias Schaber zuletzt verändert: 23.07.2008 10:29
Wer kennt ihn nicht? Er hat seinen festen Platz im Logbuch vieler Ostseetaucher und ein Literaturnobelpreisträger benannte sogar einen Roman nach ihm. Mitunter landet er auf den Tellern hungriger Fischliebhaber. Doch eigentlich gibt es ihn nicht - den „Butt“. Was gemeint ist, weiß wohl jeder: ein Plattfisch. Aber welcher? Hier gibt es ein paar Bestimmungshilfen, um der schleichenden „Verbuttung“ der Logbücher Einhalt zu gebieten…

Die Situation ist bekannt: Man taucht konzentriert über Sand oder schlickigen Sand und dokumentiert gerade für TaMOs die Tiefenverteilung von Miesmuschelbänken, als plötzlich in einer Wolke aufgewirbelten Sediments ein platter Fisch das Weite sucht, ohne dass man ihn vorher gesehen hätte. Da dies nicht nur bei TaMOs-Tauchgängen sondern jederzeit vorkommen kann, weil die perfekt an den Untergrund angepassten Fische hervorragend getarnt sind, bleibt als letzter und einziger Hinweis auf die Begegnung lediglich der Eintrag „Butt“ im Logbuch.  Genauer hinsehen lohnt also – und wenn man sich vorsichtig verhält und keine hektischen Bewegungen vollführt, verlässt sich der Plattfisch auch bis zu einem gewissen Grad auf seine Tarnung und kann aus geringer Distanz beobachtet und bestimmt werden.

Neben einigen eher selten zu findenden Plattfischarten wie zum Beispiel Rotzunge (Microstomus kitt) und Seezunge (Solea solea) kommen in der westlichen Ostsee fünf Plattfischarten regelmäßig vor. Dies sind die Flunder (Platichthys flesus), die Scholle (Pleuronectes platessa), die Kliesche (Limanda limanda), der Steinbutt (Psetta maxima) und der Glattbutt (Scophthalmus rhombus). Alle fünf gehören zur großen Ordnung Pleuronectiformes, sind also Plattfische. Flunder, Scholle und Kliesche wiederum gehören innerhalb dieser Ordnung zur Familie Pleuronectidae; das sind die „Schollen“. Steinbutt und Glattbutt wiederum gehören zur Familie Scophthalmidae. Die Zugehörigkeit zu verschiedenen Familien zeigt sich auch äußerlich: Die drei Schollenarten sind untereinander relativ schwer zu unterscheiden, genauso wie die zwei „Steinbutt“-Arten – eine Unterscheidung zwischen den beiden Familien ist allerdings relativ problemlos.

Zunächst sollte als oberflächliches Merkmal die Körperform betrachtet werden – ist sie eher rund bis kreisrund, hat man es mit einem Vertreter der Steinbuttartigen zu tun. Diskretere Merkmale sind weiterhin eine vor dem Auge beginnende Rückenflosse und die Linksäugigkeit (d.h.: die Augen sind auf der linken Körperseite). Ist der Körper eher länglich (nicht wirklich sicheres Merkmal), rechtsäugig (auch hier gibt es Ausnahmen) und befindet sich der Ansatz der Rückenflosse über dem Auge, hat man es mit Vertretern der Familie Pleuronectidae zu tun.

Häufig erfährt man von orangen Punkten als Bestimmungsmerkmal für die Scholle (Pleuronectes platessa). Das Problem hierbei: Oft sind diese nicht gut sichtbar. Darüberhinaus haben auch Flundern und Klieschen häufig entsprechende Punkte auf ihrer Augenseite. Ein gutes Merkmal für die Unterscheidung der entsprechenden Arten ist allerdings die Seitenlinie auf der „Oberseite“. Ist diese gerade, handelt es sich entweder um Scholle oder Flunder. Ist die Seitenlinie hingegen über der Brustflosse deutlich und stark gebogen, hat man es mit der Kliesche (Limanda limanda) zu tun. Schollen und Flundern kann man unterscheiden, indem man sich die Körperoberfläche etwas genauer ansieht: Ist lediglich auf dem Kopf ein Kamm aus einigen Knochenhöchern vorhanden und der Rest des Fischkörpers glatt, handelt es sich um die Scholle (Pleuronectes platessa). Die Flunder (Platichthys flesus) hingegen ist durch rauhe, knöchrige Schuppen entlang der Seitenlinie und z.T. gut erkennbare knöchrige Erhebungen an den Basen der Rücken- und Analflosse gekennzeichnet. Bei den Flundern ist darüberhinaus ein gewisser Prozentsatz linksäugig.

Fische der Familie Scophthalmidae können wie folgt unterschieden werden: Ein quasi kreisrunder Körper, der auf der Augenseite mit zahlreichen großen Knochenhöckern besetzt ist, kennzeichnet den Steinbutt (Psetta maxima). Ist der Körper eher oval und auf der Oberseite glatt, dafür aber mit zahlreichen „offenen“ Kreismustern gezeichnet, handelt es sich um den Glattbutt (Scophthalmus rhombus).

Hier noch einmal die wichtigsten Identifikationsmerkmale in Form einer Tabelle:

 

1. Merkmal: Körper mehr oder weniger kreisrund und linksäugig?
JA NEIN
    2. Merkmal: Seitenlinie über Brustflosse deutlich gebogen?
    JA NEIN
Körper kreisrund. Linksäugig. Ansatz der Rückenflosse vor dem Auge. Maulspalte groß. Körperoberseite mit zahlreichen Knochenhöckern besetzt. Körper eher oval. Linksäugig. Ansatz der Rückenflosse vor dem Auge. Maulspalte groß. Körperoberseite glatt mit zahlreichen "offenen Kreisen" gemustert. Seitenlinie über der Brustflosse mit deutlichem Bogen. Ansatz RF über Auge. Rechtsäugig. Maulspalte klein. Färbung variabel. Seitenlinie gerade. Ansatz Rückenflosse über Auge. Rechtsäugig. Körperoberseite glatt. Kamm aus einigen Knochenhöckern auf dem Kopf.  Seitenlinie gerade. Überwiegend Rechtsäugig. Rauhe Schuppen entlang der Seitenlinie. Schuppige Knoten an der Rücken- und Afterflossen-Basis.
Steinbutt (Psetta maxima) Glattbutt (Scophthalmus rhombus) Kliesche (Limanda limanda) Scholle (Pleuronectes platessa) Flunder (Platichthys flesus)
Steinbutt (Psetta maxima)  Glattbutt (Scophthalmus rhombus)  Kliesche (Limanda limanda)  n.a.  Flunder (Platichthys flesus)
(Foto: T. Kujawski) (Foto: R. Rathke) (Foto: R. Rathke)   (Foto: H. auf dem Venne)

 

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